Georg Grohs

Von Herbert Hacker*

Über den Weinhändler und Genießer Georg Grohs.

 

Glücklicherweise hat man Freunde, mit denen man Pferde stehlen - oder zumindest gut essen gehen kann.

So einer ist Georg Grohs. Ein wunderbarer Esser, einer, der nach einem 14gängigen Menü auch noch was Intelligentes sagen kann. Etwa: "Und was essen wir jetzt?"

Georg Grohs ist Weinhändler - und ein außergewöhnlicher Genussmensch. Eigentlich ist er zunächst ein außergewöhnlicher Mensch, aber im Zusammenspiel mit Genuss läuft er erst wirklich zur Hochform auf.

Dass so einer mit Wein handelt ist in jeder Hinsicht ein Gewinn - für ihn selbst, für seine Kunden und nicht zuletzt auch für die Winzer, die er vertritt. Denn für Georg Grohs (nicht zu verwechseln mit dem Maler Georg Grosz) ist guter Wein nicht nur ein Handelsgut, sondern Lebensinhalt - in mehrfacher Bedeutung des Wortes.

Dabei kam er - was Wein betrifft - unter ganz schlechten Vorzeichen zur Welt. Georg Grohs wurde 1965 in Wien geboren - ein durch und durch miserables Weinjahr.

Mit Wein hatte der junge Grohs auch später lange Zeit so gar nichts am Hut. In seinem Elternhaus wurde - wenn überhaupt - nur eher mediokerer Rebensaft aus dem Dopplergebinde getrunken. Und auf das Thema Wein wurde er erstmals durch den europäischen Weinskandal 1985 aufmerksam. Dass man ausgerechnet damit sein Brot verdienen kann, entzog sich damals noch seiner Vorstellungskraft.

Erst Jahre danach entdeckte er bei Reisen nach Italien und Frankreich eine Vorliebe für die Welt der guten Weine. Wahrscheinlich war es irgendwo in der Toskana, bei einem kräftigen Schluck Brunello und Unmengen Pasta und Prosciutto, als er auf die Idee kam, Wein zu seinem Beruf zu machen. Es sei seine beste Idee gewesen, sagt er heute, und setzt sein charakteristisches Lächeln auf.

1992 gründete er jedenfalls die Grohs Weinhandels Ges.m.b.H. Danach begann er hauptsächlich italienische Weine nach Österreich zu importieren. Erst 1996 nahm er auch namhafte, österreichische Winzer in sein Programm auf - von Bründlmayer bis Umathum.

Inzwischen zählt Georg Grohs zu den innovativsten Weinhändlern der Branche. Sein Sortiment ist wohl durchdacht und reich an großen Namen. Er nimmt aber auch immer wieder unbekannte Weinmacher in sein Programm auf, die in seinen Augen eine Unterstützung verdient haben.

Mit vielen Produzenten pflegt er einen innigen, persönlichen Kontakt.

Wie etwa zu jenen heimischen Winzern, die sich der biodynamischen Weinproduktion verschrieben haben - ein inzwischen weltweiter Trend, der nicht mehr aufzuhalten ist. Und für den Wiener Starwinzer Fritz Wieninger ist Grohs seit Jahren auch als Consulter aktiv.

Es ließe sich auch noch viel Gutes über den Privatmensch Georg Grohs sagen, aber das tut hier wohl nichts zur Sache. Selten jedenfalls, dass es jemanden so perfekt gelungen ist, die Trennlinie zwischen persönlichen Vorlieben und beruflichen Interessen auf so angenehme Art zu verwischen.

Übrigens: Sein berühmter Namensvetter, der Eingangs schon erwähnte deutsch-amerikanische Maler Georg Grosz, starb nach einem schöpfungsreichen Leben als er 1959 nach Berlin übersiedelte - und zwar an den Folgen einer durchzechten Nacht.

 

* Herbert Hacker,  schreibt als Gourmetjournaliist  wöchentlich im News und Format über Essen und Trinken. Er ist Chefredakteur des „Falstaff Restaurantguide“ und Buchautor.